Trockenmauerbau

Was ist der Trockenmauerbau?

Der Trockenmauerweg GR 221 erschliesst uns den Trockenmauerbau in der Serra de Tramuntana, die von der UNESCO in der Kategorie Kulturlandschaft zum Welterbe erklärt wurde. Zudem lassen sich interessante geschichtliche Spuren finden, Mythen und Legenden entdecken sowie die Traditionen, die Architektur, die Gebräuche, die Gastronomie und das Kunsthandwerk dieser privilegierten Gegend der Insel kennen lernen.

Der Weg verläuft oftmals in Küstennähe und mancherorts führt er auf die höchsten Gipfel des Gebirgszugs, wobei der höchste Punkt der Coll de ses Cases de sa Neu - mit etwas über 1200 Höhenmetern - ist. Dieser landschaftliche Kontrast und die Vielfalt der Vegetation, mit schattigen Steineichenwäldern und dem typisch mediterranen niedrigen Strauchwuchs (Macchie und Garrigue), machen diesen Wanderweg noch attraktiver.

Der Fernwanderweg GR 221 verläuft hauptsächlich entlang alter, vom Consell de Mallorca restaurierter Wege, wodurch sich diese Route für Wanderbegeistete jeden Alters eignet. Das Klima der Insel erlaubt es, diesen Weg nahezu das ganze Jahr über zu begehen.

Weitere Informationen, publikationen von Departament de Sostenibilitat i Medi Ambient: http://bit.ly/pedraensec_publi

Die Sanierung und die Ausbildung der 'Margers'

Seit 1987 widmet sich der Consell de Mallorca der Sanierung und Instandhaltung des Kulturerbes der Trockenmauern. Dem Erhalt dieses Handwerks dienen Workshops für Margers sowie verschiedene Programme mit der wertvollen Mitarbeit der Gemeindeverwaltungen und die Teilnahme an Europäischen Projekten.

Inzwischen wurde eine Vielzahl von Wegen, darunter so bedeutende wie Camí Vell de Lluc, Camí des Barranc de Biniaraix, Camí des Correu, Ses Voltes d’en Galileu etc. instandgesetzt.

In der Umgebung wurden Marges und Mauern befestigt sowie Köhlerhütten und Kohlenmeiler, Schneehäuser und Schneesammlerhütten saniert. Es handelt es sich dabei um eine repräsentative Auswahl des ethnologischen Kulturerbes von Mallorca.

In den 80er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts war das Handwerk des Marger genannten Trockenmaurers wegen fehlender Nachfrage und Überalterung der Meister stark gefährdet. 1986 wurde in Sóller die Trockenmaurerschule ins Leben gerufen mit dem Ziel, den Camí del Barranc de Biniaraix zu sanieren und Fachleute für Trockenmauerbau auszubilden. Zwei Jahre später übernahm der Consell de Mallorca die Verwaltung der Schule und erweiterte das Ausbildungsangebot. 

Seitdem hat der Consell de Mallorca verschiedene Ausbildungskurse für Margers organisiert. Anfangs über Workshops für arbeitslose Jugendliche von sechzehn bis vierundzwanzig Jahren und dann auch über Beschäftigungsmaßnahmen für Arbeitssuchende über fünfundzwanzig Jahren. Diese Ausbildungsprogramme haben sich als äußerst nützlich erwiesen, da theoretischer Unterricht mit der Praxis vor Ort kombiniert wird. 

Derzeit werden Einführungskurse in die Trockenmaurerei für Hobbymaurer veranstaltet mit der Zielsetzung, diese Technik und entsprechende Grundkenntnisse den Bewohnern beizubringen, damit sie kleine Ausbesserungsarbeiten eigenständig durchführen können.

Prävention von Naturgefahren

Die Marges genannten Befestigungsmauern haben Einfluss auf die Umwelt, vor allem im Bereich der Wasserregulierung, Stabilisierung von Hängen und Vermeidung von Waldbränden. 

Die Bautechnik der Mauern, bei der reichlich Bruchstein als Hintermauerung genutzt wird, verbessert bei gemäßigtem Regen das Eindringen des Wassers in das Erdreich und verringert das Abfließen des Regenwassers an der Oberfläche sowie die wasserbedingte Erosion. Viele Terrassenfelder sind zudem komplexe Systeme, die je nach der Beschaffenheit des Hanges angeordnet sind. Die zahlreichen Drainagestrukturen begünstigen einen kontrollierten Abfluss des Regenwassers und tragen so wesentlich zu einer Erhöhung der Stabilität bei, womit Erdrutschen vorgebeugt wird.

Die landwirtschaftliche Bewirtschaftung der Marjades schafft andererseits Gebiete mit spärlicher Vegetation und horizontaler Unterbrechung des brennbaren Materials hauptsächlich in den Sommermonaten, was die Gefahr von Bränden verringert und deren Ausbreitung erschwert. Dieser Aspekt gewinnt besondere Bedeutung beim Anlegen von Sicherheitszonen in der Nähe von bewohnten Gebieten.

Die Aufgabe der landwirtschaftlichen Nutzung erhöht nicht nur das Brandrisiko, sondern führt auch zu fehlender Instandhaltung der Marges und Drainagestrukturen, was wiederum die Wahrscheinlichkeit von negativen Auswirkungen bei Starkregen erhöht.

Unter Schutz gestellte Trockenmauerbauten

Der Erhalt dieser Trockenmauerbauten wird durch die Anwendung von Gesetzen zum Schutz des Kulturerbes und städtebaulicher Vorschriften gewährleistet.

Auf Mallorca stehen mit der Erklärung zum Kulturgut von besonderem Wert (BIC) drei große mit dieser Bautechnik errichtete Gesamtheiten unter Schutz: Der Weg Camí des Barranc de Biniaraix, die Schneehütten und damit in Bezug stehenden Elemente im Bergmassiv Massanella sowie die Terrassenfelder Rotes de Caimari.

Der Territorialplan Pla Territorial de Mallorca, dem alle kommunalen Erschließungspläne unterstehen, beinhaltet im fünften Kapitel die Vorschrift, dass in den kommunalen Baudenkmalkatalogen sämtliche für das Landschaftsbild oder den Umweltschutz wertvolle Trockenmauerbauten, von Terrassenfeldern geprägte Landstriche, Stollenbrunnen, Hütten, Kalköfen, Cases de Neu (Schneehütten), Kohlenmeiler und gepflasterte Wege aufgenommen werden müssen, letztere zusätzlich mit Bezeichnung der Inhaberschaft.

Der Trockenmauerbau in Europa

Das Trockenmauer-Kulturerbe ist vielen europäischen Gegenden gemein, weist jedoch bedeutende Unterschiede auf. In Terrassen angelegte Hänge finden sich im Mittelmeerraum, in Flusstälern in Portugal, Deutschland und der Schweiz sowie in verschiedenen Alpenregionen. 

Unterstände für Menschen oder Tiere, wie zum Beispiel die Bories in Südfrankreich, die Caselli und Trulli in Italien, die Casetes oder Cabanes in Valencia und Katalonien sowie die Ponts de Bestiar und Barraques auf Menorca zeichnen sich durch hohe Qualität und konstruktive Vielfalt aus. Auch die so errichteten Mauern zur Abgrenzung von Eigentum oder Einfriedung von Acker- und Weideland sind weit verbreitet und finden sich im fast gesamten Mittelmeerraum sowie in nördlicheren Gegenden wie Irland, Wales und auf einigen schwedischen Inseln. 

Der hohe kulturelle und landschaftliche Wert des Trockenmauerbaus findet weltweite Anerkennung. Die UNESCO hat die Terrassenfelder der Weinregion Alto Douro in Portugal, die in Terrassen angelegten Küstenhänge in Portovenere und Cinque Terre sowie die Trulli von Alberobello in Italien zum Weltkulturerbe erklärt.
 

Puja

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Trockenmauerbau und Wandern

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